Integrierte Energieparkkonzepte für den ländlichen Raum
Interdisziplinäres Verbundprojekt zur Entwicklung sektorengekoppelter Energieparks gestartet
Die Industrielandschaft im Flächenland Niedersachsen zeichnet sich nicht nur durch die bekannten Ballungszentren, sondern vielmehr durch dezentrale Industriestandorte aus, die aufgrund hoher spezifischer Anschlusskosten von dem derzeitigen Netzausbau für Strom und Wasserstoff nur wenig bis gar nicht profitieren werden. Das kürzlich unter Federführung des Forschungszentrums Energiespeichertechnologien (EST) angelaufene Verbundprojekt „INITIAL – Integrierte Energieparkkonzepte für den ländlichen Raum“ verfolgt die Zielsetzung, Konzepte für lokale Energieparks zur gekoppelten Versorgung dezentraler Industriestandorte mit Strom, Wärme und Wasserstoff zu entwickeln. Diese Energieparks können weitestgehend unabhängig von übergeordneten Netzinfrastrukturen funktionieren und damit auch das energetische Gesamtsystem in Deutschland und darüber hinaus stabilisieren. Neben Fragestellungen zur technischen und wirtschaftlichen Konzeption und Optimierung stehen in dem Projekt auch Fragen zur Teilhabe der regionalen Bevölkerung im Fokus der Analyse.
Nach dem offiziellen Projektstart im Sommer dieses Jahres fand das Projektkonsortium Anfang Oktober nun erstmalig in Präsenz auf dem EnergieCampus Goslar zusammen, um den Arbeitsplan des Vorhabens zu konkretisieren. „Die Entwicklung zukunftsfähiger sektorengekoppelter Energieparks ist keine rein technische Aufgabe. Entscheidend ist, technische Lösungen mit ökonomischen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Anforderungen zusammenzudenken. Genau diese interdisziplinäre Perspektive bringt unser Konsortium zusammen und ermöglicht es uns, tragfähige, sinnvolle Konzepte zu entwickeln“, so Prof. Ines Hauer über das Vorhaben, die ihre Expertise im Bereich der elektrischen Netze in den Verbund einbringt und diesen koordiniert. Das interdisziplinäre Team wird seitens der TU Clausthal komplettiert aus den Arbeitsgruppen von Prof. Thomas Turek und Dr.-Ing. Marina Becker (Elektrochemische Verfahrenstechnik), Prof. Michael Olbricht (Nachhaltige Thermische Energieversorgung) sowie Prof. Andreas Reinhard (Energieinformatik). Ferner sind die Arbeitsgruppen von Prof. Tobias Wietler (Festkörperphysik, Leibniz Universität Hannover), Prof. Alexandra Engel (Soziale Arbeit, Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim-Holzminden-Göttingen) sowie Prof. Tim Wawer (Energiewirtschaft, Hochschule Osnabrück) an dem Verbund beteiligt. Als externe Kooperationspartner aus der Praxis sind die Landwind-Gruppe aus Gevensleben, die Stadtwerke Clausthal-Zellerfeld und die Ameno GmbH aus Bad Harzburg beteiligt.
Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von rund 2,3 Mio. € und wird zu 80% aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung und des Landes Niedersachsen gefördert. Die TU Clausthal erhält eine Zuwendung in Höhe von 1,05 Mio. € für eine zweieinhalbjährige Laufzeit bis Ende 2028.